Nach einer energetischen Sanierung, insbesondere nach dem Austausch von Fenstern oder der Dämmung der Gebäudehülle, ist das Risiko für Schimmelbildung deutlich erhöht. Der natürliche Luftaustausch durch undichte Fugen wird minimiert, was zu einer höheren Luftfeuchtigkeit in den Innenräumen führen kann. Ein durchdachtes Lüftungskonzept ist daher unerlässlich, um Schimmel vorzubeugen und ein gesundes Raumklima zu gewährleisten.

Warum Schimmel nach der Sanierung entsteht

Moderne, energieeffiziente Gebäude sind nahezu luftdicht. Das ist gut für die Heizkosten, aber schlecht für die Feuchtigkeitsabfuhr. Menschliche Aktivitäten wie Duschen, Kochen, Wäschetrocknen und sogar Atmen setzen täglich mehrere Liter Wasser in die Raumluft frei. Wenn diese Feuchtigkeit nicht abgeführt wird, kondensiert sie an den kältesten Stellen der Wände und Decken, was einen idealen Nährboden für Schimmelpilze bildet [1].

Das Lüftungskonzept nach DIN 1946-6

Um diesem Problem entgegenzuwirken, ist bei Neubauten und umfassenden Sanierungen ein Lüftungskonzept nach DIN 1946-6 gesetzlich vorgeschrieben. Dieses Konzept ermittelt den notwendigen Luftaustausch, um Feuchtigkeit und Schadstoffe abzuführen und gleichzeitig den Energieverbrauch gering zu halten. Es berücksichtigt dabei die spezifischen Gegebenheiten des Gebäudes und die Nutzungsgewohnheiten der Bewohner [2].

Arten von Lüftungskonzepten

Es gibt verschiedene Ansätze für ein effektives Lüftungskonzept, die je nach Bedarf und baulichen Voraussetzungen zum Einsatz kommen:

1. Fensterlüftung (manuell)

Die manuelle Fensterlüftung ist die einfachste Methode, erfordert aber ein bewusstes und regelmäßiges Verhalten der Bewohner. Stoßlüften (kurzzeitiges, vollständiges Öffnen der Fenster) und Querlüften (Durchzug erzeugen) sind dabei effektiver als Kipplüften. Nach einer Sanierung muss jedoch deutlich häufiger und intensiver gelüftet werden als zuvor, um die gleiche Wirkung zu erzielen [3].

2. Abluftsysteme

Abluftsysteme führen verbrauchte, feuchte Luft aus Küche und Bad mechanisch ab. Frische Luft strömt über Außenluftdurchlässe (ALD) in den Wohnräumen nach. Diese Systeme sind relativ einfach zu installieren und sorgen für einen kontinuierlichen Luftaustausch in den Feuchträumen.

3. Zuluft-Abluftsysteme mit Wärmerückgewinnung (Kontrollierte Wohnraumlüftung – KWL)

Kontrollierte Wohnraumlüftungssysteme mit Wärmerückgewinnung sind die komfortabelste und energieeffizienteste Lösung. Sie führen verbrauchte Luft ab und frische Luft zu, wobei die Wärme der Abluft auf die Zuluft übertragen wird. Dadurch gehen nur minimale Heizenergieverluste einher. Diese Systeme können zentral oder dezentral installiert werden und sind besonders in hochgedämmten Gebäuden empfehlenswert [4].

4. Hybridlüftungssysteme

Hybridlüftungssysteme kombinieren natürliche und mechanische Lüftung. Sie nutzen natürliche Luftströmungen, schalten aber bei Bedarf (z.B. bei Windstille oder hoher Luftfeuchtigkeit) auf mechanische Unterstützung um. Dies bietet eine gute Balance zwischen Energieeffizienz und Flexibilität.

Vorteile eines professionellen Lüftungskonzepts

  • Schimmelvermeidung: Effektive Abfuhr von Feuchtigkeit und somit Schutz vor Schimmelbildung.
  • Gesundes Raumklima: Reduzierung von Schadstoffen, Allergenen und Gerüchen in der Raumluft.
  • Energieeffizienz: Minimierung von Wärmeverlusten durch kontrollierten Luftaustausch, insbesondere bei Systemen mit Wärmerückgewinnung.
  • Werterhalt der Immobilie: Schutz der Bausubstanz vor feuchtigkeitsbedingten Schäden.
  • Komfort: Kontinuierliche Frischluftzufuhr ohne Zugerscheinungen oder Lärmbelästigung von außen.

Die Rolle des Energieberaters

Ein zertifizierter Energieberater ist der richtige Ansprechpartner für die Erstellung eines maßgeschneiderten Lüftungskonzepts. Er analysiert die spezifischen Gegebenheiten Ihres Gebäudes, berechnet den notwendigen Luftvolumenstrom und empfiehlt das passende Lüftungssystem. Zudem kann er Sie über mögliche Förderungen für Lüftungsanlagen informieren und bei der Antragstellung unterstützen.

Fazit

Ein effektives Lüftungskonzept ist nach einer energetischen Sanierung unverzichtbar, um Schimmelbildung zu vermeiden, ein gesundes Raumklima zu schaffen und den Werterhalt Ihrer Immobilie zu sichern. Verlassen Sie sich nicht allein auf manuelle Fensterlüftung, sondern lassen Sie sich von einem Experten beraten, um die optimale Lösung für Ihr saniertes Gebäude zu finden.

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