Rund um das Thema energetische Sanierung kursieren zahlreiche Mythen und Halbwahrheiten, die Hausbesitzer oft verunsichern und von wichtigen Maßnahmen abhalten. Ist Dämmung wirklich immer sinnvoll? Führt sie unweigerlich zu Schimmel? Und rechnet sich die Investition überhaupt? Wir haben uns mit Herrn Dr. Klaus Meier, einem erfahrenen und zertifizierten Energieberater mit über 20 Jahren Praxiserfahrung, getroffen, um mit den drei hartnäckigsten Vorurteilen aufzuräumen und Klarheit zu schaffen.

Interviewpartner: Dr. Klaus Meier

Dr. Klaus Meier ist Bauingenieur und seit 2003 als unabhängiger Energieberater tätig. Er ist Mitglied der dena-Expertenliste und hat bereits hunderte von Sanierungsprojekten erfolgreich begleitet. Sein Fokus liegt auf nachhaltigen und wirtschaftlichen Lösungen für private und gewerbliche Immobilien.

Mythos 1: „Dämmung lässt das Haus nicht mehr atmen und führt zu Schimmel.“

Redaktion: Herr Dr. Meier, dieser Mythos ist wohl einer der verbreitetsten. Viele Hausbesitzer befürchten, dass eine gedämmte Fassade oder ein gedämmtes Dach das Gebäude „abdichtet“ und dadurch Schimmel entsteht. Was sagen Sie dazu?

Dr. Meier: „Das ist ein klassisches Missverständnis, das leider immer noch hartnäckig kursiert. Ein Haus atmet nicht durch die Wände im Sinne eines Luftaustauschs. Der Großteil des Luftaustauschs findet über Fugen, Ritzen und vor allem durch das Lüften statt. Eine gute Dämmung macht die Gebäudehülle dichter, was energetisch absolut wünschenswert ist, um Wärmeverluste zu minimieren. Das Problem ist nicht die Dämmung selbst, sondern ein fehlendes oder unzureichendes Lüftungskonzept nach der Sanierung.

Wenn ein Gebäude gedämmt wird, sinkt der Wärmeverlust durch die Hülle. Die Innenwände werden wärmer, und die Gefahr von Kondenswasserbildung an kalten Stellen – der Hauptursache für Schimmel – sinkt sogar. Entscheidend ist, dass nach einer Dämmung ausreichend gelüftet wird, um die Feuchtigkeit, die im Haus entsteht (durch Kochen, Duschen, Atmen), abzuführen. Ein zertifizierter Energieberater erstellt daher immer auch ein Lüftungskonzept. Das kann durch manuelles Stoßlüften oder, bei sehr dichten Gebäuden, durch den Einbau einer Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung geschehen. Der Mythos, Dämmung führe zu Schimmel, ist also falsch – mangelndes Lüften führt zu Schimmel.“

Mythos 2: „Energetische Sanierung ist viel zu teuer und rechnet sich nie.“

Redaktion: Die Kosten für eine umfassende Sanierung sind oft hoch, was viele abschreckt. Ist die energetische Sanierung wirklich eine Investition, die sich nie amortisiert?

Dr. Meier: „Auch das ist eine pauschale Aussage, die so nicht stimmt. Ja, eine energetische Sanierung ist eine Investition, und die anfänglichen Kosten können beträchtlich sein. Aber man muss die langfristigen Vorteile sehen. Erstens: Die Energiekosten werden massiv reduziert. Angesichts steigender Energiepreise ist das ein immer wichtigerer Faktor. Zweitens: Der Staat fördert energetische Sanierungen massiv mit Zuschüssen und zinsgünstigen Krediten von BAFA und KfW. Diese Förderungen können einen erheblichen Teil der Investitionskosten abdecken.

Drittens: Der Wohnkomfort steigt enorm. Keine kalten Wände mehr, keine Zugluft, ein angenehmes Raumklima. Viertens: Der Wert der Immobilie steigt deutlich. Ein energieeffizientes Haus ist auf dem Immobilienmarkt wesentlich attraktiver und zukunftssicherer. Die Amortisationszeit hängt natürlich von der Art der Maßnahmen, den individuellen Gegebenheiten und der Entwicklung der Energiepreise ab, liegt aber oft im Bereich von 10 bis 20 Jahren. Danach sparen Sie bares Geld. Wer heute nicht saniert, riskiert, dass seine Immobilie in Zukunft schwer vermietbar oder verkaufbar wird und hohe Betriebskosten verursacht.“

Mythos 3: „Eine neue Heizung allein reicht für die Energieeffizienz.“

Redaktion: Viele Hausbesitzer denken, der Austausch der alten Heizung gegen ein modernes System sei der Königsweg zur Energieeffizienz. Ist das so?

Dr. Meier: „Eine neue, effiziente Heizungsanlage ist zweifellos ein wichtiger Baustein der energetischen Sanierung. Aber sie ist selten die alleinige Lösung und sollte nicht isoliert betrachtet werden. Stellen Sie sich vor, Sie haben einen Eimer mit vielen Löchern und versuchen, ihn mit einem stärkeren Wasserhahn zu füllen. Das Wasser läuft trotzdem aus.

Ähnlich ist es beim Haus: Wenn die Gebäudehülle (Dach, Fassade, Fenster) schlecht gedämmt ist, geht ein Großteil der erzeugten Wärme ungenutzt verloren. Eine neue Heizung muss dann immer noch gegen diese hohen Wärmeverluste ankämpfen und kann ihr volles Potenzial nicht entfalten. Die sinnvollste Reihenfolge ist oft: Zuerst die Gebäudehülle optimieren, also dämmen und Fenster tauschen, um den Wärmebedarf zu senken. Erst dann sollte die Heizungsanlage an den nun geringeren Bedarf angepasst werden. So kann die neue Heizung kleiner dimensioniert werden, arbeitet effizienter und ist günstiger in der Anschaffung und im Betrieb. Ein Energieberater hilft Ihnen, die optimale Reihenfolge der Maßnahmen zu finden.“

Fazit

Wie Dr. Meier eindrucksvoll dargelegt hat, basieren viele Vorurteile gegenüber der energetischen Sanierung auf Missverständnissen oder veralteten Informationen. Eine fundierte Planung und Begleitung durch einen zertifizierten Energieberater ist der beste Weg, um diese Mythen zu entkräften, Fehler zu vermeiden und die Sanierung Ihres Hauses erfolgreich und wirtschaftlich zu gestalten. Investieren Sie in Wissen und Expertise, um Ihr Zuhause zukunftssicher und energieeffizient zu machen.

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